Könnte eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung des Markennamens die erhoffte Wende bei VW bringen?
Genau das war der Gedanke hinter diesem Modell: alles wichtige serienmäßig an Bord, keine unnötigen Spielereien, in weitgehend einheitlicher Ausstattung mit nur wenigen wählbaren Optionen günstig in großer Serie herzustellen.
Das Äußere ist bewusst wenig glamourös gehalten, unlackierte Stoßfänger und Schutzleisten dienen hier ihrem ursprünglichen Zweck anstatt selbst bereits bei kleinen Schäden hohe Reparaturkosten zu verursachen – was wiederum Versicherungen bei der Einstufung der Typklassen honorieren.

Physische Tasten und Drehknöpfe für wichtige Funktionen bieten genau die intuitive, unkomplizierte Bedienung die viele Kunden an älteren Autos schätzten, neuere Modelle mit verschachtelten Touch-Menus jedoch oft vermissen ließen.

Als die ersten Gerüchte zu diesem Modell durchsickerten wurde es in Fachpresse und Volksmund schnell als – endlich wieder echter – Volkswagen gehandelt, schließlich machen die aktuellen Modelle die man teilweise mühelos auf über 70.000 Euro konfigurieren kann dem Namen wenig Ehre.
VW selbst vermeidet diesen Begriff jedoch in der öffentlichen Kommunikation: zum einen möchte man nicht die Kritiker bestätigen und die anderen, höherpreisigen Modelle damit offiziell zu „unechten“ Volkswagen erklären, andererseits befürchtet man unerwünschte Assoziationen zu den dunklen Zeiten in denen die Entwicklung des ursprünglichen Volkswagen stattfand.
So entschied man sich für den Namen ID. Prime. In den Dimensionen etwa vergleichbar mit dem Golf Plus / Sportsvan der Verbrenner-Ära ist der ID. Prime ausreichend groß für eine europäische Durchschnittsfamilie, dabei trotzdem nicht überdimensioniert für Singles, Paare und dichten Stadtverkehr.
Mit 60 kWh bietet die Batterie ausreichend Reichweite im Alltag, mit bis zu 150 kW (DC) ist sie auch auf langen Strecken schnell wieder nachgeladen. Bis zu 22 kW an AC Ladestationen ermöglichen eine vollständige Ladung bevor – oft nach 4 Stunden – eine Blockiergebühr anfällt.
Mit 120 kW (163 PS) und abgeregelten 175 km/h Höchstgeschwindigkeit geht es ohne sportliche Ambitionen, aber ausreichend flott vorwärts. Auch der optionale 4MOTION Allradantrieb mit zusätzlichem 22 kW Elektromotor an der Hinterachse ist genau das was er in dieser Klasse sein soll – eine Traktionshilfe für sicheres Anfahren beispielsweise bei verschneiter Fahrbahn, ohne Ambitionen für Offroad-Abenteuer oder heckbetontes Fahrverhalten auf der Rennstrecke.
Nun zu einem gerade bei einem solchen Auto wichtigen Punkt: mit einem Einstiegspreis von 32.990 Euro versucht er gar nicht erst jeden chinesischen Mitbewerber zu unterbieten, bietet dafür aber solide technische Daten, eine für die Klasse vollständige Serienausstattung sowie eine auch im Hinblick auf günstigen Unterhalt durchdachte Konstruktion – nicht zuletzt außerdem ein dichtes, etabliertes Servicenetz. So fällt auch die Liste möglicher Optionen für ein Modell aus deutscher Produktion ungewöhnlich kurz aus: neben dem bereits erwähnten 4MOTION für 1.000 Euro stehen lediglich eine abnehmbare Anhängerkupplung (Vorbereitung serienmäßig) sowie eine Metallic- bzw. Perleffekt-Lackierung für jeweils 650 Euro zur Auswahl.
Alles in allem also ein Auto für Leute, die ein bezahlbares Fortbewegungsmittel und kein Statussymbol suchen.

