Ford RS Cosworth 3

Ford RS Cosworth neu gedacht: So könnte die Legende heute aussehen

Es gibt Autos, bei denen ein Name genügt, um eine ganze Generation von Fans abzuholen. Cosworth gehört definitiv dazu. Sierra RS Cosworth, Escort RS Cosworth – kantige Karosserien, dicke Backen, große Spoiler und Motoren, die mit vergleichsweise wenig Hubraum erstaunlich viel Ärger machen konnten. Dieses Concept greift genau diese Idee auf und übersetzt sie ziemlich konsequent in die Gegenwart.

Wichtig dabei: Das hier ist keine von Ford angekündigte Neuauflage, sondern eine Designstudie. Aber eine, die zeigt, wie ein moderner Ford RS Cosworth funktionieren könnte, ohne einfach nur ein altes Auto zu kopieren.

Zurück zur Kante

Das Interessante an dem Entwurf ist seine Grundform. Statt den nächsten rundgelutschten Crossover zu zeichnen, steht hier wieder eine klassische viertürige Limousine. Lange Motorhaube, beinahe senkrechte Front, klar gezeichnetes Dach und ein ebenso klar definierter Kofferraum – die Silhouette wirkt fast wie aus den späten 1980ern herausgeschnitten.

Trotzdem sieht das Auto nicht nach Restomod aus. Die Flächen sind deutlich sauberer, die Übergänge moderner und die weit ausgestellten Radhäuser wirken wie ein zeitgemäßes Widebody-Kit.

Ford RS Cosworth 7

Besonders gut funktioniert die Front. Die Scheinwerfer sitzen als schmale rechteckige Einheiten in einer durchgehenden schwarzen Blende. Vier horizontale LED-Elemente pro Seite zitieren die Vergangenheit, ohne klassische Scheinwerfer einfach nachzubauen. Dazwischen sitzt das Ford-Oval.

Ford RS Cosworth 6

Darunter wird es deutlich ernster. Große Kühlluftöffnungen, ein weit nach vorne gezogener Splitter und die enorme Spurweite lassen keinen Zweifel daran, dass dieses Auto mehr sein möchte als eine Retro-Limousine.

Ohne großen Flügel wäre es kein richtiger Cosworth

Am Heck darf natürlich eines nicht fehlen: der Spoiler. Und zwar kein dezenter kleiner Bürzel, sondern ein richtiger Flügel.

Ford RS Cosworth 4

Die Studie kombiniert ihn mit einem sehr geradlinigen Heck und horizontalen Rückleuchten. Auch hier findet sich die Vierfach-Grafik der Front wieder. Der große Diffusor und zwei weit außen platzierte, rechteckige Endrohre machen aus dem ansonsten ziemlich schlichten Heck eine echte RS-Ansage.

Von der Seite erinnert das Konzept vielleicht am stärksten an die Cosworth-Ära. Kurze Überhänge, relativ große Glasflächen, vier Türen und deutlich ausgestellte Kotflügel treffen auf schwarze Aero-Räder. Das Auto wirkt kompakt, breit und niedrig – fast so, als hätte jemand einen Sierra RS Cosworth genommen und dessen Proportionen für die 2030er neu interpretiert.

Und was müsste unter der Haube stecken?

Genau hier wird es interessant. Würde Ford ein solches Auto tatsächlich bauen, gäbe es mehrere denkbare Wege.

Ein klassischer Cosworth müsste eigentlich einen hochgezüchteten Verbrennungsmotor bekommen. Ein moderner 2,3-Liter-EcoBoost mit deutlich mehr als 400 PS wäre dabei die naheliegende Lösung. Kombiniert mit Allradantrieb und einem möglichst heckbetonten Setup könnte daraus eine ziemlich spannende Mischung aus Focus RS und Escort RS Cosworth werden.

Noch interessanter wäre eine Hybridlösung. Ein kompakter Turbobenziner könnte beispielsweise die Vorderachse antreiben, während ein Elektromotor zusätzliche Leistung an die Hinterachse schickt. 500 PS wären damit problemlos vorstellbar – und ein elektrischer Boost würde durchaus zur kompromisslosen RS-Idee passen.

Ein rein elektrischer Cosworth wäre technisch ebenfalls möglich. Emotional dürfte Ford damit allerdings einen deutlich schwierigeren Stand haben. Gerade der Motor war schließlich immer ein zentraler Bestandteil der Cosworth-Faszination.

Innenraum zwischen Rennwagen und Retro-Futurismus

Auch das Cockpit folgt nicht dem heute üblichen Schema aus einem riesigen freistehenden Tablet und möglichst wenigen Tasten. Stattdessen zieht sich eine breite digitale Anzeige über das Armaturenbrett. Das Design bleibt horizontal und erinnert damit ein wenig an die geradlinigen Armaturenbretter älterer Ford-Modelle.

Ford RS Cosworth 1

Dazu kommen Sportsitze, ein kleines Lenkrad, Alcantara und eine ungewöhnlich massive Mittelkonsole. Einige Details wirken noch stark nach Concept Car, aber die grundsätzliche Idee passt: modern, digital und trotzdem klar auf den Fahrer ausgerichtet.

Für eine mögliche Serienversion dürfte Ford das Ganze ruhig noch etwas entschärfen. Ein paar echte Schalter, ein manueller Handbremshebel und – träumen darf man schließlich – ein richtiger Schalthebel würden einem RS Cosworth ausgesprochen gut stehen.

Ein Auto, für das Ford aktuell eine Lücke hätte

Und genau deshalb ist diese Studie so reizvoll. Ein moderner RS Cosworth müsste gar nicht versuchen, mit einem klassischen Sierra oder Escort zu konkurrieren. Er könnte vielmehr dort ansetzen, wo Ford seine europäischen Performance-Fans zuletzt ein wenig allein gelassen hat.

Ford RS Cosworth 2

Fiesta ST ist Geschichte, Focus ST und Focus RS verschwinden beziehungsweise sind bereits verschwunden, und die klassischen bezahlbaren RS-Modelle haben im aktuellen Ford-Programm keinen wirklichen Nachfolger.

Ein kantiger Viertürer mit 400 bis 500 PS, Allradantrieb, breiten Kotflügeln und einem völlig unvernünftigen Heckflügel würde diese Lücke ziemlich spektakulär schließen.

Wahrscheinlich bleibt genau dieser Ford RS Cosworth ein digitaler Traum. Aber das Concept macht eines ziemlich deutlich: Man muss einen Klassiker nicht einfach nachbauen, um dessen Charakter zurückzubringen. Ein paar Kanten, breite Backen, ordentlich Leistung und ein Heckflügel, bei dem kein Produktmanager nach Aerodynamik-Effizienz fragt – manchmal wäre es tatsächlich so einfach.